Die Malerei Teusch's

beschäftigt sich in erster Linie mit der Aussage der Farbtöne und des Lichts.

Die Beziehungen der Farbnuancen zueinander, die strenge Komposition des Bildes und wiederum deren Auflösung sind Grundlagen seiner Arbeiten.
Er ist ein Suchender des Urbildhaften als Grundmotiv der Malerei. Ihn bewegen die antiken Mythen des Himmels, die Unendlichkeit des Meeres, die Vielschichtigkeit der Mutter Erde, die sengenden Strahlungen der Sonne, die Zyklen des Mondes und sein mildes, reinigendes Licht. Der geheimnisvolle Ursprung der Quellen, der stete Fluß und der wirbelnde Strom der Gewässer gehören zu seinen Themen. Magische Orte, Heiligtümer in der Natur ziehen ihn an. Er ist verwurzelt in der europäischen Antike, der Renaissance und in der französischen Malerei des Lichts seit dem Impressionismus seit Monet.


Die Aufhebung des Innen und Außen, die hohe See und das hereinbrechende Meer in die Bucht. Bucht und Halbinsel, Ying und Yang als Erschein­ungsform der fortschreitenden, immer wiederkehrenden Erneuerung. Der Horizont als Vermählung von Himmel und Meer, die unergründliche Vielschichtigkeit der Erde,   Urmutter lebensspendender Quellen, Fluß des Lebens aus tiefen Schichten zu den Schenkeln der Täler, an die Oberfläche, zum Licht, zum Strom der Wolken, zurück ins Meer, Auflösung und Schweben im gleißenden Licht über dem  Horizont, Unendlichkeit, unstillbare Sehnsucht. Die geordneten, geometrischen Formen der Architektur, die organische, die chaotische Landschaft, die unberührte Erde als Urschöpfung. Autarkie, Selbstordnung und Regeneration der Natur, der ordnende und auch zerstörerische Eingriff des Menschen in die Schöp­fung.

Das Leuchten der Wesenheiten in dunkler Nacht. Die Ruhe der Dinge im gleißenden Licht des Mittags, Stunde des Fauns. Die kosmische Katastrophe - Urschöp­fung - Neuschöpfung. Der Mensch als Ebenbild Gottes. Der Verlust des Göttlichen.
Die Frau als Fleischwerdung von Schönheit und Liebe. Die Geschlossenheit und die fließende Form des weiblichen Körpers. Der sich träumende weibliche Leib, Traum von Tröstung und Lust. Der schwebende und liegende Körper, beseelter Leib, Ort schicksalhafter Begegnung mit der der Liebe, der Gefährtin, der Ankunft, Anwesenheit des Anderen, Du und Ich - Ende der Einsamkeit - Ganzsein - Glück - Erinnerung an das Paradies.
Die neuen freiheitlich, demokratischen Grundrechte der Bundesrepublik ermöglichen die Ablehnung des Kommandosystems des Dritten Reiches. Die Entdeckung der persönlichen Freiheit führt zum Bruch mit dem System der Vätergeneration. Der Bruch führt zu Krisen, zur Suche neuer Lebensformen und einer neuen Formensprache. Eine Neue Ästhetk entsteht im Nachkriegsdeutschland und Europa: Die Rasanz des Cool Jazz von Charlie Parker, die Klarheit eines Jerry Mulligan, Miles Davies, Dizzy Gillespie. Picasso und Braque, Derain, Vlamink, die Brillanz der Werke von Mies van der Rohe, Le Corbusier, der Architekten Skidmore Owings & Merill.

 

Die Entdeckung der strengen Formen von Klee und Jaques Villon und Henry Moore, der Mediterranen Modigliani, De Chirico, Greco, Manzu, der Architekten Ponti und Nervi hinterlässt seine Spuren. Später wird ihm periodisch die Auflösung der Form wichtig werden. Chaos als Urzustand zur Selbstordnung des Lebens, Dramatik, Dynamik, Rückkehr zur strengen Form. 

Der angehende Avantgardist, der Moderne Teusch bleibt gleichzeitig beeindruckt von der radikalen Klarheit und der weitreichenden Konzepte des Archi­tekten Bruneleschi, der Strenge und des Formwitzes von Palladio wie der Wucht des Michelangelo und eines Borromini. 
Gleichwohl fasziniert ihn die einfache Formensprache des Malers Giotto, die Intensität und Magie eines Pietro Lorenzetti, die Ruhe und die Ausgewogenheit der Farben von Piero della Francesca, visionärer Vorgriff auf den Im-pressionismus. Die Begegnung mit der Leuchtkraft der modernen Franzosen, Monet, Mondrian, die Radikalität von Pablo Picasso prägen seine Sensibilität für deren einst neue Formensprache und Nuancen der Farben. Teusch wird zum Verfechter klarer Komposition und differenzierter Farbgebung.    
Er nennt seinen strengen Stil der fünfziger und frühen sechziger Jahre „Geometrischer Kubismus", den der späten sechziger und siebziger Jahren, Periode der Auflösung „Abstraktion des Organischen". Seine Lebenszeit in Florenz und Rom hat ihn geprägt oder, wie er meint, hat seine Erinnerungen an sein kulturelles Erbe wiedererweckt.


Die mythischen Bilder des Einsturzes des Himmels, der in Strudeln abstürzenden kosmischen Energien, die in Abgründen der aufgebrochenen, gespaltenen Erde verschwinden, sind während des politischen Umbruchs der siebziger Jahre in Rom entstanden, Folge von Erlebnissen der Auflösung der antiken, mediterranen Ordnung des Zusammenlebens der Menschen, Verlust des göttlichen Schutzes, Ende des Glücks eines mythenreichen Zyklus der Menschheit. 
Die Welt des Traums als Kosmos der Schöpfung. Diese Innenwelt gewährte vollkommene Sicherheit, schützt selbst den im Schlaf Träumenden. Die Geheimnisse der Mythen und Urbilder sollen in Farben und Formen fortleben. Ihre Aussage bleibt vom Geschmack und der Hast der Zeit unberührt. Die achtziger Jahre sind geprägt von der Suche der göttlichen Kraft im tiefsten Inneren des schlummernden, sich träumenden Menschen.
Ist nicht die ganze Schöpfung präsent in jeder Zelle des menschlichen Körpers? Die Weisheit des Leibes, Ganzheit und Fülle der Möglichkeiten, findet sich in der Langsamkeit, im Stillstand; magischer Zusammenfall der Gegensätze.

 

Alle Gemälde sind auf Anfrage als Drucke erhältlich.

 

*Teusch veröffentlichte bei Bastei Lübbe „Die Hügel des Lichts" und bei Fischer Theaterverlag das Drama „Die Menschenfresser oder Big Business". Er erhielt 1981 ein Drehbuchstipendium des Deutschen Innenministeriums für seine Erzählung „Das Gewehr" Er ist Träger des italienischen Kulturpreises „Premio Coppa Circeo", der in Rom verliehen wird.